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Donnerstag, 09.02.2011 - Bordeaux Arrivage 09 (#5)
Gestern hatte ich Gelegenheit bei einer Präsentation der Appellation Côtes de Bourg in Hamburg ein Dutzend weitere Weine des Jahrgangs 2009 zu probieren. Einige Güter, deren Weine ich in der Vergangenheit gut bewertet hatte, fehlten leider, andere waren da hatten aber entweder keinen 2009er dabei oder nur die einfache Variante und nicht die Selection. So wäre es bei Château de la Grave sicher interessant gewesen auch ein Fassmuster des „Nectar“ zu verkosten. Auch die 2009er von Falfas und Les Eyquems (präsentierte sich sehr gut mit den reifen Jahrgängen 1998 und 199) hätten mich interessiert, waren aber nicht da.



Bei vielen Weinen, die ich im Glas hatte, habe ich mich unwillkürlich gefragt, ist es gescheit solche Weine in die Flasche zu füllen Bordeaux und den Namen des Château draufzuschreiben? Ich hätte das anonym im Fass verkauft. Auch wenn viele dieser Weine nur fünf, sechs Euro im Laden kosten, also für wenig mehr als zwei Euro vom Handel eingekauft werden können, das können andere Länder und Regionen für den Preis einfach besser. Dass man durch Auslandspräsentationen wie der gestrigen Imagegewinn erzielen oder gar Verkaufserfolge generieren kann, halte ich für wenig wahrscheinlich. Damit richtet man nur noch mehr Flurschaden an. Solche Weine dem Publikum im Vergleich zu den „abgehobenen Grands Crus“ als „grundsolide, ehrlich und authentisch“ anzupreisen erinnert mich an die Geschichte von den Kaisers neuen Kleidern. Da kam gestern Bordeaux zwar nicht ganz nackt daher, aber doch in ziemlichen Fetzen.

Wie man in einem Jahrgang wie 2009 derart dünne, säuerliche und schwach strukturierte Weine produzieren kann, ist mir angesichts der diversen Verkostungen von Bordeaux A.C. und Bordeaux supérieur der vergangenen Wochen ein Rätsel. Diese hatten doch durch die Bank eine über dem normalen Niveau liegenden Qualität. Immerhin gab es auch gestern einige Lichtblicke, die ich nicht unterschlagen möchte.

2009 Château de la Grave
Merlot 70 %, Malbec 20 %, Cabernet Sauvignon 10 %, Preis: 7 Euro

Rubinrot. Nase mit dunkler Frucht, leicht rauchig, erdig. Gute Tanninstruktur, schöne Sauerkirschfrucht, etwas bitter Schokolade im Abgang. 84/100

2009 Château Vieux de Taste
Merlot 60 %, Cabernet Sauvignon 20 %, Cabernet franc 10 %, Malbec 10 %, Preis: 10 Euro

Rubinrot. Dunkles Toastaroma und dunkle Frucht in der Nase, auch Teer, und erdige Noten. Am Gaumen saftig, dicht, schöne Kirschsüsse, weich und mild, aber dabei gut strukturiert. Dieses Château war mir bislang nicht bekannt bzw. noch nicht aufgefallen. Für mich eine echte Entdeckung an der Côtes de Bourg, die man auf der Merkliste behalten sollte. 85/100

Auch zwei allerdings von den neuen Besitzern eher als Experiment gedachter Varietal-Weine von Château de Lidonne gefielen mir recht gut: ein sehr sortentypischer Merlot (83/100) und ein kräftiger, dichter Cabernet , etwas ruppig mit Biss und Pelz aber offenbar aus einem schönen und reifen Lesegut gewonnen (84/100)..
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